Big Little Lies

Kritiken / 11. Mai 2017

Big Little Lies

Miniserien sind momentan der heißeste Shit ever. Es vergeht keine Woche, in der nicht mindestens eine neue Miniserie angekündigt wird.  In Wahrheit hat der Boom dieses Fernsehformats zwar eh schon Anfang 2000 begonnen, allerdings spürt man ihn meines Erachtens erst seit True Detective wieder massiv. Und das auch zu Recht: True Detective ist eine verdammt gute Miniserie!

Dass sich in Serien Hollywoodgrößen tummeln, ist schon eine kleine Sensation. Insofern war auch True Detective eine Sensation – immerhin spielen sich Matthew McConaughey und Colin Farrell die Seriendarsteller aus dem Leib. Und das auch zu Recht: True Detective ist eine verdammt gute Miniserie!

Big Little Lies wurde Wochen vor Veröffentlichung als eine neue und verdammt gute Miniserie angepriesen. Und – oh my – hier tummeln sich gleich massenhaft Hollywoodgrößen: Nicole Kidman, Reese Witherspoon, Laura Dern, Alexander Skarsgard. Und dann auch noch Krimi, Thriller, Drama! Kann ja nur ein Erfolg werden. Zwar wurde einem im Teaser nur eine etwas küstenlastigere Version der Desperate Housewives präsentiert, aber Teaser können ja täuschen. Ich hatte zumindest die Hoffnung, dass ich mich täusche.

Monterey ist eine Küstenstadt in Kalifornien. Das musste ich googlen. Big Little Lies präsentiert eine Küstenstadt voller rich Housewives, die allesamt attraktiv sind, nicht arbeiten müssen, weil ihre attraktiven Ehemänner anscheinend Millionen verdienen, alle in verdammt schönen Häusern direkt am Meer wohnen und von außen das perfekte Leben führen.  Jane Chapman (Shailene Woodley) zieht mit ihrem Sohn Ziggy (Iain Armitage) in dieses amerikanische Idyll und genauso furchtbar wie die Namenwahl für den Sohn, dürfte auch ihr Leben vor dem Umzug ausgesehen haben – zumindest ist sie definitiv nicht rich, wohnt nicht an der Küste und ist auch absolut nicht so adrett angezogen wie die ganzen Celests (Kidman), Madeleines (Witherspoon) und Renatas (Laura Dern) dieses Kaffs.

Speziell Madeleine nimmt sich der etwas herausstechenden neuen Nachbarin an und relativ schnell erkennt der Zuschauer die Strukturen. Wer ist mit wem befreundet, wer ist die Bitch der Runde, wer ist geschieden, wer hat Sex mit wem usw. usf. Praktischerweise wird dem Zuschauer jedoch auch in der ersten Folge per Vor- und Rückblenden bewusst, dass wohl im Laufe der Serie etwas ganz Schlimmes passieren wird, denn anscheinend wird bald die gesamte Stadt verhört und einige unter Mordverdacht gestellt. Spannend!!

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Die erste Folge war gar nicht so übel. Tolle Kamerafahrten, ein toller Soundtrack (der sogar bis zum Ende toll bleibt) und eine gar nicht so uninteressante Story. Auch die Sidestories waren okay und irgendwie glaubwürdig. Die Charaktere sind zwar über alle Maßen flach und allesamt unsympathisch, aber das kann sich ja noch ändern.

Tut es nur leider nicht.

7 Folgen nimmt sich HBO Zeit um einerseits aufzuklären WER überhaupt stirbt und genau 3 Minuten um zu erklären WIE. 6 Folgen lang wird unfassbar künstlich und langatmig versucht auf den baldigen Mord vorzubereiten, allerdings denkt man sich schon nach Folge 3: Jetzt könnte man dann bitte zum Ende kommen, danke!

Warum? Weil es immer dasselbe ist und die wenigen Weiterentwicklungen allesamt so vorhersehbar sind, dass es einen graust. Mag sein, dass es heutzutage noch jemanden vom Sessel haut, wenn er feststellt dass die perfekte Ehefrau vom perfekten Ehemann verdroschen und vergewaltigt wird. Ich unterstelle aber dem Durchschnittsmenschen, dass er spätestens bei der vierten Dusch-Kampf-Vergewaltigungsszene verstanden hat, worum es geht.

Mag sein, dass es heutzutage noch jemanden überrascht, wenn sich die neuen Partner der Ex-Frauen und Ex- Männer nicht wirklich leiden können und dass es jemand total süß findet, wenn das Kind mit immer demselben Witz um die Ecke kommt – ich fand es in erster Linie langweilig, vorhersehbar und nervig.

Mag sein, dass es viele spannend finden, wenn jede Folge die Schulleitung anruft und Ziggy beschuldigt ein Kind zu mobben, nur damit jede Folge bewiesen wird, dass es nicht er war, nur damit die nächste Folge die Schulleitung wieder anruft (…Sie erkennen das Schema?!)

Mag sein, dass Affären, wütende Männer, noch wütendere Frauen, joggende Frauen und weintrinkende Frauen interessant sind. 7 Folgen lang sind sie es jedoch nicht. Außer es wären tiefergehende Charaktere. Sind sie aber nicht. Sie sind wütend, noch wütender, joggen und trinken Wein.

Das Grande Finale hingegen würde ich als absolute Frechheit beschreiben. Da bin ich also 7 Folgen wegen so etwas sitzen geblieben. Na herzlichen Dank. Jetzt fehlt nur noch, dass einstige Feindinnen plötzlich richtige Freundinnen werden und lachend und weinschlürfend an der Küste sitzen, während die Kinder Ballspielen.  Aja, so endet das Ganze auch. Wenigstens auf die Vorhersehbarkeit ist Verlass.

Ich weiß nicht, was Big Little Lies sein hätte sollen. Ein Einblick hinter die perfekte Fassade mitten ins widerliche, reiche Leben von Familien? Die Geschichte eines Mordes, der in Anbetracht der Vorgeschichte(n) eigentlich eh OK ist? Die Feststellung, dass die eigene Annahme am Beginn der Serie man hätte Zoë Kravitz nur besetzt, weil es sicher eine Szene gibt wo gesungen werden muss, in der letzten Folge bestätigt wird? Die beruhigende Aussage „schau, du hast vielleicht nicht Millionen am Konto, aber mit den Arschgeigen willst ja auch nicht tauschen, oder“?.

Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Ich weiß aber auch nicht, warum Nicole Kidman irgendwann beschlossen hat sich dermaßen zu verunstalten, dass man glaubt man sieht einer Schaufensterpuppe beim Spielen zu.

Ich weiß aber auch nicht, warum und wann Laura Dern aufgehört hat zu essen.

Und eines ist sicher: Diese Mysterien sind weitaus tiefgehender, als Big Little Lies.

Und außerdem ist sicher: True Detective ist eine verdammt gute Miniserie.











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