Blair Witch

Kritiken / 25. Januar 2017

Blair Witch

Eines vorweg: ich bin absolut kein Fan von The Blair Witch Project aus dem Jahr 1999. Was man dem verwackelten Studentenhorror dennoch zugestehen muss, ist der Meilenstein in der Filmgeschichte, den sich die beiden Regisseure Daniel Myrick und Eduardo Sánchez mit diesem Werk geschaffen haben: der Beginn des Found Footage Horrors. Oder wie es für mich ist: der Beginn der zittrigen, Übelkeit in mir verursachenden Kameraführungen.

17 Jahre später erscheint also ein Sequel, zuerst mysteriös unter dem Arbeitstitel „The Woods“ und dann mit einer relativ medial untergegangenen Überraschung als Blair Witch*. Fans des Originals waren von Anfang an skeptisch, meine Wenigkeit sowieso. Der Film aus den 90ern überzeugte viele unter anderem aufgrund seiner bewusst reduzierten technischen Aufwartung – wie soll man sich in Zeiten der iPhones, GSM- Trackings und GPS- Satelliten schon noch großartig verlaufen? Aber vielleicht ist die Neuauflage ja auch in den 90ern angesiedelt… Irgendwie gespannt war man schon. Und dass späte Reboots oder Sequels auch gar nicht so schlecht sein können, bewies erst 2013 The Evil Dead.

Blair Witch spielt nicht in den 90ern sondern jetzt, 18 Jahre nach dem Verschwinden der Studentenfilmer. Heather’s Bruder James (James Allen McCune) ist aufgrund eines Youtube- Videos überzeugt, dass die verschwommene, schreiende Person, die durchs Bild läuft seine Schwester ist und macht sich mit Freunden auf den Weg zu Lane (Wes Robinson) der das Video gefilmt und hochgeladen hat. Gemeinsam mit Lanes Freundin Talia (Valorie Curry) macht sich die Gruppe von 6 jungen Menschen auf den Weg in den Wald, der dafür bekannt ist Menschen verschwinden zu lassen. Nach obligatorischem Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Youtuber und generellem Zweifel an der ganzen Aktion beginnen die Dinge merkwürdig zu werden. Von den bekannten komischen Geräuschen und hölzernen Puppen bis hin zu den creepy Steinhaufen muss einer nach dem Anderen sterben. What else.

Quasi durchgehend, fragt man sich: was soll denn das? Während im Original die Motive aller recht rudimentär sind (Film machen & Überleben), bietet 2016 89 Minuten unerklärte Phänomene, Aktionen und Motive. Am Anfang ganz wichtig erscheinende, unnötig in die Länge gezogene Szenen und Entwicklungen entpuppen sich gegen Ende als vage und halbfertige Ideenumsetzungen. Anscheinend kann die Hexe Zeit manipulieren und die Zukunft in die Vergangenheit verschieben und umgekehrt. Wie das funktioniert und zu welchem Zweck dieser Aufwand betrieben wird – was soll das? – Keine Ahnung. Warum die Schlussszene in eine Akte-X-gleich-kommen-uns-die-Aliens-holen – Szenerie getaucht ist – was soll das? -Keine Ahnung. Was aus dem (wieder sehr Akte- X- lastigen) Getier in dem Bein einer Protagonistin geworden ist – was soll das? –  Keine Ahnung. Warum nimmt man auf so eine spannende Reise eine super- high- tec- Drohne mit, aber kein einziges funktionierendes Gerät für Notfälle – was soll das? – Keine Ahnung.

Es gibt wenige Filme, die obwohl sie keinen Sinn ergeben in sich irgendwie schon Sinn ergeben und großartig sind (Danke, David Cronenberg , Danke David Lynch) in diesem Fall ist es allerdings ein Film, der allein schon aufgrund der einfachen Vorlage (Stundenten filmen in einem Wald, Studenten verschwinden) eigentlich irgendwie Sinn ergeben müsste, leider ist er einfach nur unsinnig.

Regisseur (Adam Wingard) und Drehbuchautor (Simon Barrett) arbeiten offensichtlich gerne zusammen und haben tatsächlich auch schon Besseres vollbracht (V/H/S , You’re Next) zugegebenermaßen aber auch schon richtigen Rotz (Frankenfish). Blair Witch hat sicherlich viele Liebhaber des Originals ins Kino gelockt und irgendwie wirkt der Film auch so, als hätte man auf genau das abgezielt. Wäre ich Fan, würde ich mich wahnsinnig darüber aufregen. Wäre ich die beiden Regisseure der Originalvorlage, würde ich mir selbst noch einmal gratulieren und Wingard & Barrett auslachen.

Ich selbst empfehle den Film einfach nicht weiter und verfluche Wingard & Barrett jetzt schon, weil sie doch tatsächlich planen den großartigen Ang-ma-reul bo-at-da/I Saw The Devil neuzuverfilmen.

Ich meine ernsthaft: was soll das?

 

 

 

*Ja, es gab einen zweiten Teil (Book of Shadows: Blair Witch 2) aber der war dermaßen unbedeutend, dass er hier nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen soll.











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