The Rainmaker

Kritiken / 20. Januar 2017

The Rainmaker

Es gibt Filmklassiker, die muss man sich einfach ansehen, egal wie schlecht sie sind. Nein, The Rainmaker von Francis Ford Coppola gehört da definitiv nicht dazu. Allerdings ist John Grisham ein Klassiker. Und kein einziges Buch von ihm gelesen zu haben, empfand ich immer als eine Wissenslücke. Umso erfreuter war ich, als ich in einem offenen Bücherschrank in Wien eine englische Hardcopy- Version vom Regenmacher gut erhalten und absolutely free in die Hände bekommen habe. Endlich die Lücke füllen, endlich mitreden können.

Ich lese eigentlich sehr gerne und vor allem sehr schnell. Bei guten 350 Seiten, habe ich das schon locker in 2-3 Tagen geschafft. 434 Seiten sehr kleingedrucktes Times New Roman Geschreibsel schrecken mich folglich nicht ab, allerdings habe ich während der 5 Monate in denen ich diesen Schinken durchgekaut habe, sehr oft daran gedacht das Handtuch zu werfen. Was für ein belangloser Käse. Wir wissen alle irgendwie, dass Anwälte ein sehr fades und von noch faderen Paragraphen geprägtes Leben haben (müssen). Dass man „den Versicherungsfall seines Lebens“ und „der Alptraum- Exfreund“ dermaßen zäh und emotionslos erzählen kann, war mir neu. Und ist irgendwie eine Leistung.

Um Projekt Grisham abzuschließen, musste ich die Verfilmung von 1997 natürlich auch ansehen, alles andere wäre eine halbe Sache. Francis Ford Coppola gehört auch nicht gerade zu den schlechtesten Regisseuren der Welt, dennoch hatte ich sehr wenige, um nicht zu sagen gar keine Erwartungen. Die 90er sind voll mit mehr oder weniger langweiligen Grisham Verfilmungen. Der Regenmacher war Grishams 6. Buch und nachdem alle 5 davor auch verfilmt wurden (die Firma, die Akte, der Klient, die Jury, die Kammer) hat er wohl einfach a la „never change a winning concept“ weitergemacht.

Wie so oft in der Welt von Grisham spielt die Geschichte im Süden Amerikas, wo sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht sagen, sondern wohl auch Bruder und Schwester die Nacht hin und wieder miteinander verbringen. Wie so oft ist der Held ein junger, aufstrebender, ehrenwerter Mann, in diesem Fall gespielt vom jungen und immer noch ehrenwerten

Spätestens jetzt müssten Sie wohl alle schon gähnen. Rudy Baylor möchte Gerechtigkeit für seine armen Hillbilly- Klienten, deren Sohn wegen einer miesen Abzocker- Versicherung, die sich weigerte für wichtige Operationen die Kosten zu übernehmen, elendiglich an Leukämie sterben musste. Nebenbei lernt er die Liebe seines Lebens kennen (Claire Danes) die in einer gewalttätigen Ehe alle zwei Wochen das Kiefer gebrochen bekommt . Ja – Sie ahnen es, für sie will er auch Gerechtigkeit.

Ich kann gar nicht sagen, was belangloser ist: Originalvorlage oder Verfilmung. Es ödet beides an, nicht zuletzt, weil man nach 1/3 des Buches weiß, dass alles mehr als gut ausgehen wird. Coppola hat faszinierenderweise das, was im Buch noch annähernd interessant und spannend war, komplett entfernt: die Profile der Charaktere. Keiner hat Ecken und Kanten, keiner springt hervor. Trotz hochkarätiger Besetzung wirkt der im Buch als skrupelloses Arschloch beschriebene Angeklagten- Verteidiger John Voigt im Film wie der durchschnittliche Anzugträger. Eh oasch, aber nicht besonders oasch. Die Proletenfamilie rund um das Opfer, die mehr Herz als Verstand hat, wirkt im Film wie eine einfache, ärmliche amerikanische Familie. Eh arm, aber halt nicht besonders arm.Der einzige Lichtblick: Danny DeVito als „Paralawyer“. Danny kann aber auch eine Litfasssäule (wenn auch eine sehr kleine) spielen und ich werde ihn lieben.

Ich bin dennoch froh, mich durch einen Grisham durchgequält zu haben. Ich fühle mich nicht nur wieder einmal bestätigt, dass Marketing die halbe Miete ist und du mit dem richtigen Image sogar von deiner Nagelbettentzündung schreiben kannst und Millionen Bücher verkaufen wirst, vor allem aber ist meine Wissenslücke gefüllt mit einigen wenigen neuen Erkenntnissen und Fremdwörtern aus der Juristenbranche.

Wer sich daran erinnern will, wie unnötig die 90er eigentlich waren, dem sei dieser Film mehr als empfohlen! Wer sich erinnern will, wie toll Danny DeVito ist – immer und überall – dem sei dieser Film ebenfalls empfohlen. Und alle, die meinen ich sei einfach nur neidisch, weil ich nicht so viele Bücher verkauft habe wie Grisham –> Link

 

 











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