Home Alone

Kritiken / 22. Dezember 2015

Home Alone

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Ich liebe Weihnachten! Ich liebe den ganzen Kitsch drumherum, die Dauerbeschallung abgedroschenster Weihnachtslieder in Kaufhäusern und im Radio, Weihnachtsbäume, Weihnachtsbräuche.

Und das, obwohl ich nie schönes Weihnachten hatte. In der Vorstellung war und ist Weihnachten für mich das zauberhafteste Ereignis in einem Jahr, in der Realität ist es ätzend und mühsam. Wie kann das sein?

Wenn ich an meine gesamten Weihnachten meines Lebens erinnere, fallen mir zuerst 100 Gründe ein, warum ich den Tag (und die folgenden Feiertage) nicht einfach überschlafen sollte. Wenn ich mich zwinge, fallen mir aber zumindest 5 Dinge ein, die an irgendeinem Weihnachten passiert sind (oder in den folgenden Feiertagen), die wirklich toll waren.

Naja gut. 3 Dinge.

Und ein Ding, das Weihnachten für mich so zauberhaft macht, ist Kevin allein Zuhaus. Selbst wenn es einmal nicht praktischerweise immer um die Weihnachtszeit auf mindestens 4 Sendern gespielt wird, würde ich mir den Film jedes Jahr genau um diese Zeit ansehen. Denn an das Weihnachten, an dem ich den Film krank auf der Couch als Kind zum ersten Mal gesehen habe, an das denke ich interessanterweise gerne zurück.

Viel muss man über einen der besten und meistgespieltesten Weihnachtsfilme und Komödien wohl nicht schreiben und der Titel verrät die gesamte Story eigentlich schon: Kevin McCallister (Macaulay Culkin) fliegt durch einen dummen Zufall nicht mit seiner Familie über Weihnachten nach Europa, sondern bleibt alleine im großen Haus in Chicago zurück. Eigentlich die meiste Zeit über gar nicht so schlimm, denn seine Familie geht ihm sowieso die meiste Zeit (vice versa) auf die Nerven. Da kann man die Zeit auch schon mit Tonnen Eiscreme vor dem Fernseher nutzen…

…oder wie Harry (Joe Pesciund Marv (Daniel Sternauf Einbruch gehen. Schließlich entfliehen sehr viele in der Weihnachtszeit dem Stress und zurück bleiben Einfamilienhäuser voller Schmuck und Elektrogeräte, die ‚die feuchten Banditen‘ sehr interessieren.

Und wäre Kevin ein normaler Junge, wäre auch das Haus der McCallisters einfaches Opfer der beiden Einbrecher. Kevin ist aber nunmal kein normaler Junge. Und schon gar kein Junge, der sein Haus kampflos aufgibt.Home-Alone-home-alone-15934154-853-480

Home Alone war bis 2011 die meistverkaufteste und beliebteste Komödie aller Zeiten. Dann kam Hangover II. Humor ändert sich offensichtlich mit der Zeit.

Abgesehen von einigen ganz persönlichen Verbindungen, die ich mit diesem Meisterwerk habe, hat John Hughes hier etwas geschafft, was mittlerweile kaum mehr eine Komödie zusammenbringt: nahezu alle wichtigen Eckpfeiler (und Oscarkategorien) die ein Film abzudecken hat, passen nicht nur, sie sind fast perfekt:

  • Musik

John Williams an Board zu haben ist ja mittlerweile prinzipiell schonmal eine Oscarnominierung wert. Bei den meisten seiner Soundtracks hat man das Gefühl in einer Oper zu sitzen und vom Orchester nahezu überrollt zu werden. Bei Home Alone dehnt er sein Repertoire in alle Richtungen aus: Kommerz, Creepy Mystery- Music, Dramatic- Orchestral, Christmas Carols- ich kenne viele Leute, die in der Weihnachtszeit den Soundtrack von Home Alone hören – welcher Film(Soundtrack) kann das von sich behaupten?

  • Regie

Ich mag Chris Columbus seit 1999 nicht mehr, irgendwie bemüht er sich zu sehr Steven Spielberg nachzuahmen (den ich im Übrigen auch nicht mag). Dieser Film ist Regietechnisch jedoch mehr als gelungen, immerhin hat man in keiner Sekunde das Gefühl in einem kitschigen amerikanischen Märchen zu hocken, vollkommen unrealistische Charaktere vor sich zu haben und am Anfang sowieso schon zu wissen, dass es am Ende gut ausgehen wird. Columbus gibt allen Figuren (sogar den Side- Characters) sehr viel Raum, bleibt in Sachen Kitsch ausnahmsweise auf dem Boden und stellt die Unterhaltung in den Vordergrund. Das kennt man schon von Mrs. Doubtfire – es ging ihm hier definitiv nicht darum das Rad neu zu erfinden (was er ab Harry Potter verzweifelt versucht) – aus dem Drehbuch einer sehr lustigen Komödie wurde einfach …eine sehr lustige Komödie

  • Schauspieler/ Besetzung

Abgesehen von den No-Na- Faktoren (Macaulay CulkinJoe PesciDaniel Stern) sind hier wirklich alle Charaktere dermaßen großartig besetzt worden, dass man es kaum glauben kann. Der unsympathischste Onkel der Welt – Frank (Gerry Bamman) der unsympathischste Bruder der Welt – Buzz (Devin Ratray) der betnässendste Cousin der Welt mit dem wohl genialsten Namen der Welt – Fuller (Kieran Culkin) der wohl schrägste und gelangweilteste Polizist in der gesamten Filmgeschichte (Larry Hankin) und:

John fu**ing Candy. Nuff‘ said!

  • Drehbuch/ Dialoge

Auch die deutsche Übersetzung ist herzeigbar, dennoch hier ein paar Originalzitate aus dem Film, die mehr sagen, als ich sie je loben könnte:

Kate McCallister: Say good night, Kevin.

Kevin McCallister: „Good night, Kevin.“

…….

Marv: Kids are scared of the dark.

Harry: You’re afraid of the dark, too, Marv.

…….

Harry: Where did he go?

Marv: Maybe he committed suicide.

…….

Marv: He’s gonna call the cops!

Harry: He’s not callin‘ the – from a tree house?

…….

Gangster ‚Johnny‘: I’m gonna give you to the count of 10, to get your ugly, yella, no-good keister off my property,

Gangster ‚Johnny‘: before I pump your guts full of lead!

Gangster ‚Snakes‘: [wide eyed and calm] All right, Johnny, I’m sorry. I’m goin‘!

Gangster ‚Johnny‘: 1… 2… 10!

[starts unloading bullets into Snakes while laughing maniacally]

Gangster ‚Johnny‘: Keep the change, ya filthy animal!

 

Kevin allein Zuhaus hat nicht nur einen speziellen Platz in meiner Filmsammlung, der Film hat einen speziellen Platz in meinem Herzen. Er ist das Weihnachtsgefühl, das sich besser anfühlt, als das wirkliche Weihnachten zuhause, er ist pure Unterhaltung – egal wie alt man ist – und zumindest auf den Moment, wo ich ihn mir wieder ansehe, freue ich mich tatsächlich jedes Jahr aufs Neue.

Merry Christmas.

 

 











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