Unknown User

Kritiken / 15. Dezember 2015

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Cybermobbing und Cyberbullying ist das neue „Da! Die dicke, dumme Lisa mit ihren abgefuckten Klamotten, die ihre beiden älteren Schwestern schon vor 4 Jahren ausgeleiert haben. Die verarschen wir jetzt richtig!“. Das Außenseiter- Mobbing- Programm 2.0. Alles digital, leicht zu vervielfältigen – ein Klick und fertig. Tja, Shitstorms erreichen heutzutage schon lange nicht mehr nur Prominente. Da ziehst du einmal was Peinliches an, schon wird das schamlos auf deiner Facebook- Site gepostet, geteilt, geliked und du bist das Gespött der gesamten Schule. Und die ist für die meisten Kinder bis Jugendliche leider bis zur Matura immerhin das ganze Universum.

Um kurz ernst und seriös zu bleiben: tatsächlich führt diese digitale Version von Mobbing nicht selten zu Selbstmorden. 2013 bringt sich beispielsweise die 12 jährige Rebeca Ann Sedwick um, weil man ihr online mehrmals geraten hat, sie soll das doch bitte bald machen (Quelle). 2014 springt Nadia aus Italien von einem hohen Gebäude in den Tod, weil sie online nahezu täglich diverse Hassnachrichten erreichten (Quelle). Traurig, aber offensichtlich erforderlich: in immer mehr Ländern gibt es mittlerweile diverse Cyberbullying Anzeigen und unzählige Selbsthilfe- Gruppen bzw. Vereine, die sich damit gemeinnützig beschäftigen.

Ganz so unrealistisch beginnt die Story von Unknown User (Originaltitel: Unfriended) folglich nicht. Laura Barns hat sich genau vor einem Jahr das Leben genommen, nachdem ihr After- Party Video (stockbesoffen im eigenen Kot lallend liegen) zu massivem Cyberbullying geführt hat. Weiße Shorts hinüber, Ruf hinüber – Selbstmord. Danke, Facebook.

Blair Lily (Heather Sossamanist die amerikanische High- School Tussi, die wir alle schon tausendmal in Filmen und Serien kennenlernen durften: hübsch, mit einem gutaussehenden Typen zusammen, der sich schon sooooo auf die Prom- Night freut, weil er da endlich Versteck die Salami mit ihr spielen darf, nicht unintelligent, nicht unsympathisch. Stereotyp? Na aber hallo, ich hätte da noch den superreichen, nicht weniger attraktiven, jedoch sehr unsympathischen Freund, der dealt und mit dem Geld Schulnoten kauft; dann hätte ich noch die blonde Nuss im Angebot, die offensichtlich ohne Hirn aber mit viel Sex weiterkommt und einen kleinen, nervtötenden Chihuahua zum Haustier hat. Und wem das noch zu wenig 0815 ist, dem kann ich noch den fetten, hässlichen Computernerd- anbieten, der offensichtlich wegen seiner inneren Werte mit den coolen vorhin angesprochenen Herrschaften befreundet sein darf.

Diese Gruppe trifft sich also (wie offensichtlich öfters) in einem Skype Videochat. Ja, Skype gibt es noch.

Der Zuseher sieht die ganze Zeit über alles aus der Perspektive der lieben Blair. Er sieht also: Apple/ Mac. Facebook. Skype. Webcam- Bilder. Youtube. Herumswitchen zwischen diversen Fenstern und Social- Media Kanälen. Buchstaben, die getippt, gelöscht, umgetextet und dann doch nicht verschickt werden. Die ersten 10 Minuten denkt man sich „eigentlich eine coole Idee“. Die restlichen 73 Minuten denkt man sich „eigentlich eine scheiß Idee“.

Insofern eine scheiß Idee, weil Menschen beim Tippen zuzusehen ungefähr genauso lange spannend ist, wie die Tatsache, dass sich eine Verstorbene aus dem Jenseits meldet. Per Facebook. Über Skype. Natürlich um sich zu für diverse Cyberbullying- Aktionen zu rächen. Blair liest das sogar in einem Mystery- Forum nach: wenn du auf Nachrichten über Facebook von Toten antwortest, kommen sie dich holen! Macht Sinn.

Einer nach dem Anderen stirbt, vorher wird er noch richtig arg bloßgestellt. Blair ist gar keine Jungfrau mehr. Oh my! Blair hat mit dem reichen Unsympathler gevögelt. Oh no! Blairs Freund hat mal die Verstorbene geküsst. Tjaaaa: real problems eben.

Die meiste Zeit über grübelt man nach, wie viel Skype oder Facebook wohl für dieses Product Placement haben wollten (gezahlt haben sie hoffentlich keinen Cent). Oder warum man überhaupt noch Skype verwendet. Oder warum bei keinem der Protagonisten ein Elternteil zuhause ist. Oder warum keiner einfach den PC abdreht. Oder warum Webcams auch 2015 offensichtlich permanent Lag haben und richtig grauenhafte Bilder und Videos machen.

Tja, schade. Aktuelles, wichtiges Thema, kreative Idee, alles komplett vermasselt. Hätte ich den Film geliked, hätte ich ihn nach den ersten 20 Minuten wieder entliked.

Empfehlung: nein. unfriended-2

 

 











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