The Visit

Kritiken / 17. Oktober 2015

M. Night Shyamalanthe-visit-movie- hatte einen wirklich guten Film.

Richtig, der mit dem Kind, das Tote sehen kann.
Der Rest war mehr oder weniger Rotz. Manchmal richtig schlimmer, zäher Rotz (The Last Airbender, After Earth) manchmal dünnflüssiger und mit einer schnelleren Rekonvaleszenz (Unbreakable, Lady in the Water). Alles in Allem hat der indische Wahlamerikaner sich selbst in jedem Fall noch nicht übertroffen. Schade und irgendwie bitter, ist er doch meistens für Drehbuch & Regie seiner Werke selbst verantwortlich – kein Rausreden folglich möglich.

Als die ersten Gerüchte zu Projekt “Sundowning” im Internet auftauchten, gab es viele, die behaupteten der “alte” M. Night würde wieder zurückkommen. Der, der wirklich gut Spannung aufbauen kann und das Genre Thriller & Horror wirklich beherrscht.

Ich war natürlich dementsprechend skeptisch. Von mir hat er 2013 endgültig den Stempel “geldgeiler Kommerzregisseur” aufgedrückt bekommen, sowas verzeihe ich nur ganz, ganz selten.

Als dann Medien weltweit mit “The Visit” Shyamalan’s Rückkehr zu seinen Wurzeln angepriesen und den Film als “genialen Leinwand- Schocker” bezeichnet haben, musste ich dem natürlich nachgehen.
Spoiler vorweg: geschockt war ich tatsächlich!

Rebecca und Tyler Jamison sind zwei ganz normale amerikanische Kinder. Das bedeutet in diesem Fall, dass sie sich perfekt mit ihrer alleinerziehenden Mutter verstehen und Phrasen wie „Ey YOLO, Mann“ oder “ich glaub mich knutscht ein Elch” von sich geben. Ja, so sehen offensichtlich normale Teenager aus.
Sie rappen, sie skypen, sie drehen einen Dokumentarfilm. Ihre Mutter wurde vom Ehemann einfach sitzengelassen und hat seit ewigen Zeiten mit ihren eigenen Eltern gebrochen. Die Kinder kennen Oma & Opa nicht. Wenn das nicht Stoff für einen Hollywood- Dokumentarfilm ist: Kinder treffen das erste Mal im Teenageralter auf ihre Großeltern, erforschen, warum der Kontakt zur Tochter – ihrer Mutter – abgebrochen ist und schaffen nebenbei vielleicht sogar wieder eine Familienzusammenführung. #geil !
Kaum einen Tag in der ländlichen Umgebung der Großeltern angekommen, stellen die beiden Kids jedoch fest, dass mit den beiden Senioren irgendwas nicht koscher ist.
Eigenartige vollgesch***ene Windeln, die Oma rennt nachts schonmal gerne nackt und kotzend durchs Haus und mindestens zwei Mal pro Tag labert der Opa richtig weirden Shit (um in der Jugendsprache der beiden coolen Kinder zu bleiben).
Was anfangs irgendwie lustig komisch ist, wird immer kranker und richtig gefährlich. Es sieht fast danach aus, als würde der nette Familienbesuch in einem brutalen Massaker enden…

Obwohl der Film aus der (verwackelten) Kameraperspektive der Kinder erzählt wird, will man sich einfach nicht wirklich in der Story fallen lassen. Die Sprüche wirken aufgesetzt und alles andere als “normal jugendsprachlich”. Wahrscheinlich hat M. Night Shyamalan auf Jugend- Onlineforen “recherchiert” und die pfiffigsten, hipsten Wörter und Phrasen übernommen. Yo, man! Das führt in erster Linie einmal dazu, dass man über sämtliche Situationen eher kopfschüttelnd gequält lachen muss, als sich zu gruseln. Macht aber nichts – der Film wird ja offiziell zu “Horror-Thriller mit Komödienelementen” gezählt. Leider funktionieren so natürlich wenige Jump- Scares mehr. Blöd, weil viel mehr an Fürchterlichem passiert bis 15 Minuten vor Filmschluss nicht.
Irgendwann vorm Showdown enthüllt M. Night das Mysterium rund um die beiden eigenartigen Pensionisten. Schade nur, dass man bis dahin
so gewöhnt ist über alles “Schreckliche” im Film zu lachen, so dass die meines Erachtens wirklich kreative Auflösung vollkommen ignoriert wird. Leider zu spät. Dass in der Schlussszene dann noch Hauptdarsteller Tyler (Ed Oxenbould) etwas vorrappt rundet diesen weiteren Griff ins Klo nur ab.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Es gibt sehr wohl Horrorfilme, die ausgezeichnet mit Komödienelementen funktionieren. Sam Raimi beherrscht dies beispielsweise wie kein anderer. Oder Teenie- Slasher a la Scream – wunderbar!
Das war hingegen einfach nur schlecht.

Besser als After Earth, ja.

Ohne Vergleichsmöglichkeiten jedoch einfach nur schlecht.

Richtig, richtig schlecht.

“The Visit” hat dennoch alles versucht. Mit einer groß aufgezogenen Promotour ging das Team mit dem Motto “zurück zu M. Night’s Wurzeln” weltweit auf Stimmenfang. Die internationale Presse reagiert darauf fast schon zurückhaltend – alles in allem bekommt der Film mehr (wenn auch lasche) positive Kritiken, als negative.
Warum das so ist, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Nach The Sixth Sense wurde Night als Regisseur abgefeiert, wie kein anderer. Der Film war keine zwei Wochen im Kino und wurde schon als Kult bezeichnet. Diverse Institutionen überschütteten den (damals alles andere als bescheidenen) Filmemacher mit Preisen und verglichen ihn mit Coppola oder Hitchcock. Filmstudios schmissen ihm Aufträge hinterher, die er teilweise hochnäsig ablehnte.
Gerade jemand, der dermaßen gelobt wird, sollte dementsprechend hart kritisiert werden. Jemand, der sich selbst den Anspruch setzt das Horror/ Thrillergenre auf eine neue Ebene zu bringen, sollte nach Werken wie “The Visit” ehrlich gesagt bekommen: Unnötig. Nichts Besonderes. Da kenn ich 15 andere Filme, die ähnlich und besser sind. Du bist weit weg von dem, was du mal warst und für was man dich offensichtlich immer noch verehrt. Das muss besser gehen und das weißt du selbst sicher auch.the visit 3

Filmempfehlung: nein.











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